Gernsheimer Hochseekameradschaft e.V.

Rund um die Segelyacht Moby Dick III.

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berichte:2003:nordlandtoern

Nordlandtörn

Bezeichnung:
Nordlandtörn
Fahrtgebiet:
Svolvaer-Tromsö-Hammerfest-Tromsö
Törnstart:
2003-07-04
Törnende:
2003-07-19
Hafenstart:
Svolvaer
Hafenende:
Tromsö
Skipper:
Peter Maier
Autor:
Peter Seidel

1.Tag - 04.07.2003 Anreise nach Svolvaer

Vor mir liegt ein Flug nach Svolvaer auf den Lofoten mit 3 Umsteigeflughäfen, die erste Etappe führt von Leipzig nach Frankfurt. Ich bin schon ca. um 8.00 Uhr in Frankfurt und warte auf die anderen Segelfreunde. Um 9.00 Uhr kommen Peter, Theo, Gunther und Udo. Peter war etwas aufgeregt und verärgert, da er beim Bezahlen von 6 kg Übergepäck -90,-€- auch noch seine Jacke liegenließ und die hat sich jemand gegriffen. Der Ärger war aber bald verflogen, die Hessen sagen: “Lebbe geht weider”. In Oslo schönstes Sommerwetter. Mein Flieger nach Bodö startet erst 15.35 Uhr, sodaß ich mich noch 3.Stunden auf dem Flughafen herumdrücke, ein ziemlich großer Flughafen und bei den Entfernungen in Norwegen auch verständlich, ein großer nicht sehr schöner Betonzweckbau wie die meisten Flughäfen. Das schönste größere Flughafengebäude habe ich übrigens in Punta Cana Domrep gesehen.

Vom Flieger sieht man auf Backbord vom Eis abgeschliffene Bergkuppen und Scherenlandschaft. Der Flieger nähert sich Bodö und in der Ferne an der Westseite des Vestfjordes ist die Bergkette der Lofoten zu erkennen, deren Spitze ins Meer versinkt.

In Bodö treffen wir uns wieder und Peter treibt zur Eile, da die Maschine nach Svolvaer schon bereitsteht. Trotz großer Überzeugungsarbeit von Peter, um den Wideroe-Piloten der kleinen Propellermaschine zu bewegen, die CO²-Ersatzpatrone für die Schwimmweste mitzunehmen, war er nicht dazu bereit, könnte ja eine Bombe sein. Svolvaer liegt auf Austvagoey, die nördlichste Insel der Lofoten, weiter nördlich schließt sich die Inselgruppe der Vesteralen an.

Ein Linienbus bringt uns ins Zentrum von Svolvaer und nach ein paar Metern sehen wir die Moby am Pier liegen. Große Begrüßung. Die Ernst-Scholz-Crew hat für uns Hotelzimmer bestellt, da sie erst morgen abreist. Abends gehen wir ins Restaurant “Anker Brigge” und essen unsere erste und letzte bezahlte Fischsuppe in Norwegen. Sie war nicht schlecht aber selbstgemachte und noch von selbst geangeltem Fisch schmeckt immer besser. In diesem Restaurant trift uns nicht ganz unvorbereitet ein sehr harter Schlag: Ein Glas Bier kostet in Norwegen 7 bis 8 € ! Die Verzweiflung hält sich in Grenzen, denn wir haben höherprozentiges, aus Deutschland mitgebracht, an Bord. Ein Liter ist zollfrei erlaubt, aber die Zöllner sind beim Handgepäck kulant, ich hatte 1,7 dabei.

2.Tag – 05.07.2003 Svolvaer-Trollfjord

Für das mittelmäßige Hotel „Bacalao“ am Hafen war das Frühstück ziemlich gut. Am kostenfreien Internet des Hotels hat Peter das Wetter für die nächsten 4 Tage abgefragt und ich schicke noch einen Gruß nach Hause. Das Gepäck auf die Moby und ab in die Stadt zum Proviant kaufen. Neben dem üblichen Kram in der Kaufhalle haben wir Rentiersalami, Lachs und Krabben vom Markt mitgenommen. Von der Walsalami haben wir die Finger gelassen. Eine heiße Suppe auf dem Markt war unsere Mittagsmahlzeit. Während unseres Einkaufes ist Ernst mit der Moby zum Tanken gefahren. Ein schöner Anblick wie die Moby langsam wieder ins Hafenbecken glitt, aber wo ist denn der Anker? Der war weg. Geklaut? In Norwegen? Einfach so abgefallen? Um 14.00 Uhr legen wir ab in Richtung Trollfjord. Wieder mit der Moby unterwegs, mein 4.Törn. Für mich ist die Moby ein sehr schönes Segelschiff, wo man noch so richtig zupacken muß und nicht alles mit Knopfdruck passiert, ich bin immer wieder erstaunt wie das der Ernst Scholz mit seinem Freunden so hinbekommen hat. In seinem Garten über dem Pool ein 18 ! m-Schiff auf Kiel gelegt und aufgebaut. Ein Schiff, welches bei vielen Törns z.B. nach Island-Grönland, St. Petersburg, England-Irland, Kanaren und 2001/2 die große Atlantikumrundung, bei der ich von St. Lucia über den Antillenbogen nach Romana dabei war, seine Zuverlässigkeit gezeigt hat. Ein Holzschiff und kein Jogurtbecher, wie Peter immer sagt. Ich beziehe mittschiffs die beiden Steuerbordkojen, Gunther an Backbord, Theo und Udo im Vorschiff und Peter wie immer die Skipperkoje. Um diese Jahreszeit ist hier nicht viel los mit Wind, in den Fjorden und Sunden sowieso nicht und wenn, dann von N oder NNO. Also Motor an. Das Norwegen ein schönes Land ist weis jeder, wir genießen jetzt und in den nächsten 14 Tagen die wirklich raue Schönheit der Landschaft mit steil ins Meer abfallenden Bergen, vergletscherten Platteaus, unzähligen Wasserfällen, Fjorden, Sunden, Blumenwiesen, Mitternachtssonne, Seevögel, kleinen Fischerorten, … Die Moby gleitet in den Hafen von Svolvaer

Unsere Reise führt uns durch die Regionen Nordland mit Lofoten und Vesteralen, durch Tromsöysund -Heran und durch die Finnmark mit Hammerfest. In meinem Bericht nenne ich alles Nordland.

Wir wählen die östliche Route um Stormolla und fahren durch den Molldoera nördlich von Litlemola. Die östliche Route ist an der engsten Stelle zu flach. Gegen 20.00 Uhr nähern wir uns dem Trollfjord nachdem wir in den Raftsund eingefahren sind. Die Einfahrt in den Fjord ist kaum zu erkennen, nur an Hand der Seekarte wissen wir, daß sie ganz nah ist. Vor dem Fjord liegt die kleine Insel Ulvoeya.

Der Trollfjord ist maximal ca. 200m an der engsten Stelle nur 80 m breit, bis zu 1000 m aufsteigende Berge säumen ihn, die Felswände fallen oft senkrecht ab und man kann mit großen Booten ganz nah heranfahren. Das haben einige Schlaue genutzt, um sich an der Felswand mit Farbe zu verewigen. Der Trollfjord war im März 1890 Schauplatz einer Schlacht zwischen Fischern. Dampfboote versperrten den Fischern mit ihren Nordlandbooten den Zugang, um den Fjord mit Senknetzen selbst leerzufischen. Die Lofot-Fischer erkämpften sich mit Rudern und Bootshaken den Zugang. Dieses Ereignis gilt als erster großer Kampf zwischen kapitalkräftigen Unternehmen und armen Fischern um die Ressourcen des Meeres und wird jährlich hier nachgestaltet.

Ein Touri-Boot überholt uns, macht eine Schleife und fährt wieder raus, sodaß wir abends im Fjord fast allein sind. Am Fjordende gibt es 2 Anleger, ein kleiner rechts, der aber mit einer Yacht belegt ist, und ein Anleger links, der zu einem kleinem Wasserkraftwerk gehört. Dort machen wir fest, um Erlaubnis müssen wir nicht bitten, denn am Wochenende ist niemand hier.

Nach dem Vertäuen antreten zum Krabben pulen. Kopf abknicken, Schwanz rausziehen. Die Arbeit ist bald erledigt, das Abendessen ist delikat: Krabben mit Dressing und Weißbrot, dazu Lachs in Wodka. Wir machen im Fjord abends 4 bunte Punkte aus, die langsanm näher kommen. Es sind ein- heimische Kajakfahrer, sie schlagen in der Nähe ihre Zelte auf. Ihre Einladung haben wir (leider) abgelehnt, da wir um 23.00 Uhr alle todmüde sind, also ab in die Kojen.

Plötzlich ruft uns Peter alle an Deck, eines dieser 4 neuen Hurtiglinienschiffe war in den Fjord eingefahren und gerade dabei zu wenden. Das Schiff füllte fast die gesamte Breite des Fjordes aus, ein imposanter Anblick. Das Wenden ohne Seitenschraube wäre hier kaum möglich gewesen.

Das moderne Schiff der Hurtiglinie wendet im Trollfjord

3.Tag – 06.07.2003 Trollfjord-Andenes

Am Morgen nach dem Frühstück unternehme ich einen kleinen Landausflug. Der Fjord liegt ruhig vor mir, hinter mir die wolkenverhangenen Berge, die dicke Wasserleitung zum Kraftwerk führt den Berghang hinab. Hier und bei späteren Landgängen habe ich den Eindruck, daß die Natur in dem kurzen Sommer es besonders kräftig wachsen läßt, die Sonne scheint jetzt 24 Stunden am Tag. Ich sehe Knabenkraut, Storchschnabel, Johanniskraut, Hahnenfuß, Moosbeere und viele andere mir nicht bekannte Blumen.

Auch wir können uns der Faszination des Beobachtens der größten Säugetiere auf der Erde nicht entziehen und legen um 8.00 Uhr in Richtung Andenes ab. Andenes liegt am Nordzipfel von Andoey, eine der Vesteralen-Inseln und ist d e r Ausgangspunkt für Walsafaris. Wir fahren nach dem Unterqueren einer Straßenbrücke aus dem Raftsund in den Hadselfjord, passieren die Städte Sortland und Risoehamn und motoren weiter bei ruhiger See an der Küste von Andoey entlang.

Um 16.00 Uhr sind wir bei Sonnenschein und ruhigem Wetter in Andenes. In Andenes haben einige Walfänger ihre Schiffe zur Walbeobachtung umgerüstet und fahren für 45,-€ p.P. die Touris raus, falls es mit den Walen nicht klappt, dürfen sie am nächsten Tag nochmal gratis mitfahren. Wale kann man gerade hier so nahe an der Küste beobachten, weil vor den Vesteralen-Inseln ein Tiefseegraben nahe an das Festland reicht. Hier ist ein sehr großes Nahrungsangebot für diese riesigen Meeressäugetiere vorhanden, was damit zusammenhängt, daß durch die 24-stündige Sonneneinstrahlung ein ungeheueres Wachstum aller Lebensformen im Meer stattfindet Im Sommer tummeln sich die großen Pottwalmännchen vor Andenes und können sich so richtig anfressen. Sie benötigen viel Kraft für die karge Winterzeit aber auch, um sich in der Paarungszeit gegen die Rivalen durchsetzen zu können. Die Weibchen tummeln sich mit ihren Jungen zu dieser Zeit in wärmeren Gewässern so in der Gegend um die Azoren und Kanarischen Inseln.

Der Trollfjord am Morgen

Die Pottwale, die bis zu 19 m lang werden, sind ausgezeichnete Taucher und können sich in Tiefen bis zu 3000m hinuntersinken lassen. Ihre Atemreserven reichen länger als eine halbe Stunde, das genügt, um sich in diesen Tiefen auf die Lauer legen und Beute ausfindig machen zu können. In solcher Tiefe, in welcher es stockdunkel ist, brauchen sie kein besonderes Sehvermögen, weshalb diese Tiere auch sehr kleine und nicht sehr sehscharfe Augen besitzen. Ähnlich den Fledermäusen haben diese Tiere aber ein ausgezeichnet funktionierendes Sonarsystem entwickelt, welches das Aufspüren von Beute und das Erkennen von Hindernissen ermöglicht. Angeblich gibt es in diesen Tiefseegraben Tintenfische mit einer Größe von 1m und länger. Diese Tiere stellen einen Großteil der Nahrung der Pottwale dar. Wie sie diese aber fangen können ist noch unbekannt, denn es erscheint unlogisch, daß der Wal den Tintenfischen nachstellt, da das Beutetier wesentlich wendiger und schneller ist als der Räuber. Diese Informationen erhält man im Walmuseum von Andenes.

Am Abend kommen wir mit einem Angler und seiner Frau in der Nähe der Moby ins Gespräch, wir wollen ja auch bald unseren Speiseplan mit Frischfisch erweitern. Es ist ein Ehepaar aus Ludwigshafen, das mit dem Wohnmobil unterwegs ist. Er war Kameramann beim ZDF, hatte auch eine große 3-Chip-Sony dabei. Er sagt, er sei kameraverrückt und diesen Eindruck hatte ich auch, aber ich kann das verstehen. Es war noch ein gemütlicher Abend mit unseren Gästen bei uns im Salon.

Um Mitternacht mache ich noch einen Hafenrundgang, also einen P i e r s c h l i c h. Ich habe tatsächlich immer gedacht es heißt Bierschlich, weil wir stets Ausschau nach einer gemütlichen Kneipe hielten. Die Mitternachtsonne taucht alles in ein goldgelbes Licht. Gelbe Gebäude, rote, blaue und grüne Boote, der zartblaue Himmel spiegeln sich im blanken Hafenbecken. Ein sehr schöner Anblick.

4.Tag – 07.07.2003 Andenes

Unsere Gäste von gestern abend nahmen unsere Einladung zu Walsafari an und brachten gleich noch einen Wohnmobilnachbarn aus Eisenach mit. 90,-€ ist ja auch nicht gerade wenig. Um 9.00 Uhr liefen wir aus und wir waren überzeugt, daß wir bald ein großartiges Naturschauspiel vor die Kamera bekommen. Es besteht zu 95 % die Chance, Wale zu sichten.

Wir fahren bei ruhigem Wetter aber langer Dünung nach W Richtung Abbruchkante, die auf der Seekarte eingetragen ist. Mit dem Fernglas sehe ich nahe der Hafenmole einen Buckel und eine Fontäne, was mir natürlich keiner glauben will. Nach einiger Zeit überholt uns ein Safarikahn, da hängen wir uns dran, denn die sollten es wissen, wo man hin fahren muß. Nach 2 Stunden entschwindet der Kahn und wir gelangen zur Einsicht, daß wir heute die 5% erwischt haben. Wir kehren um. “ Ein Satz mit x: Das war nix.“ Am Abend erfahren wir, daß auch der Kahn Pech hatte. Der Käptn meinte, Orcas waren da, aber nicht zu sehen, die haben die anderen Wale vertrieben. Die Schwertwale (Orcas), die größten aus der Famlie der Delphine, ernähren sich von Fischen, Kalmaren, Seevögeln, einschließlich Pinguinen, Robben und Walen. Da sie andere Wale angreifen, werden sie auch Killer- oder Mörderwale genannt. Es wurde beobachtet, wie sie sogar einen Blauwal töteten – die größte heute lebende Tierart der Erde. Die Orcas haben eine große Rückenflosse (Schwert) in der Mitte des Rückens, die bei den Männchen bis zu 1,8 m hoch sein kann. Was soll`s. Wir genießen die See und schaukeln dem Hafen entgegen.

1-2 sm vor der Hafeneinfahrt stoppen wir bei ca 5-6m Tiefe, lassen uns treiben und angeln. Der Kameramann holt einen Köhler nach dem anderen raus bis es auch mir glückt 2 Dorsche und 2 Köhler (Pollack) zu angeln. Ich bin absoluter Angellaie, aber hier muß man wahrscheinlich saublöd sein, um keinen Fisch zu fangen. Der Köhler gehört zu den Dorschfischen, ist also kein Lachs (Salm). Von den Einheimischen wird gesagt, daß der Fisch auch als Lachs gehandelt wird. So geht`s: ca. 10 cm-Blinker dran, bis auf den Grund auslaufen lassen, ungefähr einen halben Meter wieder einholen, damit sich der Haken nicht am Grund festmacht, und dann die Rute hochziehen, sinken lassen, hochziehen, sinken lassen. Die nette “Kamerafrau” nimmt die Fische aus und dann ist ihr plötzlich sehr übel, die Dünung und das Fischausnehmen waren zuviel. Zum Abend laden wir beide Ehepaare zum Fischessen ein. Aber wer putzt die Fische? Natürlich Theo und Peter Leipzig. Dafür bereitet Gunther das Gemüse für die Fischpfanne vor. Zwiebeln, Knoblauch andünsten, Broccoli, Blumenkohl, Lauchzwiebeln und Gewürze dazu, dünsten lassen, Fischfilets auflegen, weiter dünsten lassen. Alles was übrig ist, also Fischköpfe, Floßen und Schwänze werden für die Fischsuppe ausgekocht und abgeseit. Ein feines Essen, nur den Dreh mit dem Rausschneiden der Filets haben Theo und ich noch nicht raus, das haben wir später gelernt. Allerdings hätte ich es noch von Arne aus der Karibik wissen müssen. Der Kameramann brachte einen 10”-Bildschirm mit, hat uns seine Aufnahmen vom Tage gezeigt und versprach Peter eine Kopie zuschicken. Die Gastgeschenke 1 Flasche Weinbrand und 1 Flasche Tobinambur-Schnaps, später Möbellack genannt, nahmen wir erfreut an, da wir gerade dort eine Versorgungslücke befürchteten. Wir haben noch lange geklönt.

5.Tag – 08.07.2003 Andenes-Tromsö

Ùm 9.00 Uhr legen wir ab, wir verlassen die Inselgruppe der Vesteralen, des “Landstreifens im Westen” und wählen die Außenroute nach Tromsö. (Lofoten heißt übersetzt “der Luchsfuß”) Die Insel Senja mit markanten steil abfallenden Bergen und Fjorden ( Bergs-, Ers-, Mel-, Oey-, Baltsfjord ) liegt an Steuerbord und an Backbord das Nordpolarmeer. Vor der Insel liegen etliche Unterwasserfelsen, sodaß wir respektvoll 2 bis 3 sm Abstand halten. Der Wind bläst uns wieder auf die Nase, also fahren wir mit Motor. An der NW-Ecke von Senja fahren wir durch eine schmale Fahrrinne mit max. 2 kn Gegenstrom zwischen Senja und der kleinen vorgelagerten Insel Hekkingen in den Malangen. Vor der Küste von Senja

Wir haben achterlichen Wind und setzen um 15.35 Uhr Besan, Groß und Genua, der Wind schiebt uns mit 7 kn bei herrlichem Sonnenschein. Das erste Segelsetzen wird mit bloody marry gefeiert, Gunther bereitet aus Tomatensaft, Soda, Wodka, Tabasco und Pfeffer einen kräftigen Schluck

Die Berge sind hier nicht so schroff, die Landschaft ist lieblicher und lädt zum Festmachen ein. Der Wind schläft aber bald wieder ein und wir beschließen nach Tromsö durchzumotoren. Vom Malangen biegen wir Backbord in den Straumsund ein, wir befinden uns auf der Hurtigroute. Ich haue mich in meine Koje und als ich wieder an Deck komme, laufen wir in Tromsö ein.

Tromsö um Mitternacht vom Hausberg

Tromsö, das Paris des Nordens! Also “ich war noch niemals in Paris”, aber diese Werbung ist leicht übertrieben. Den Namen soll Tromsö aufgrund der vielen Kneipen erhalten haben. Trotzdem hat mich das Leben in der Stadt, fast auf dem 70. Breitengrad und 350 km nördlich des Polarkreises, überrascht. Bei 24°C kann man im Park vor dem Dom bequem ein Sonnenbad nehmen. Die Menschen liegen auf dem Rasen, in der Fußgängerzone spielen Straßenmusikanten und in den Straßenkaffees sitzen viele junge Leute. Auffallend ist, daß einige Russen anzutreffen sind, die Straßenmusik machen oder Matroschkas verkaufen. Nordafrikanische Typen (Drogen ?) lungern auf dem Martplatz herum, eine schwarze “Dame” mit roter Handtasche, vietnamesische Gaststätte. Auf dem Marktplatz wird wie überall Fisch angeboten (Krabben, Stockfisch, Lachs, Heilbutt, u.v.a.), Touristenkrempel z.B.Trolle, Gartenpflanzen, Schnittblumen, Norweger-Pullover und –Mützen, Gemüse usw. Es sieht fast aus wie auf einem Markt in unseren Breiten. Das Leben steht auch in den Sonnennächten nicht still.

Die Kehrseite der fröhlichen, taghellen Sommernächte sind fünf Monate Winter, vom 25. November bis zum 21. Januar scheint die Sonne überhaupt nicht, das ist die Zeit der Polarlichter. Der Stadtkern liegt auf der gleichnamigen Insel und ist durch die Tromsöbrücke (1016m) mit dem Festland verbunden.

Zwischen 1850 und 1930 starteten von Tromsö aus viele Expeditionen ins Eismeer, was der Stadt den Namen “Tor zum Eismeer” einbrachte. Tromsö ist auch heute noch das Sprungbrett nach Spitzbergen. Tromsö ist mit 53.000 Einwohnern größte Stadt des Nordens, hat die nördlichste Universität und die nördlichste Brauerei (Marken). Auf dem Unigelände steht das Nordlichtplanetarium, in dem das Phänomen des Polarlichts im Film gezeigt wird. Es gibt viele niedrige Holzhäuser in der Altstadt, Anfang des Jahrhunderts von reichen Kaufleuten und Reedern im Jugendstil gebaut. Von der “Pforte des Nordens”, wie die Stadt auch noch genannt wird, sind weltberühmte Polarforscher wie Roald Amundsen und Fridtjof Nansen, aber auch unzählige Trapper aufgebrochen, um in der Arktis Eisbären und Polarfüchse zu erlegen. Dies und anderes vermittelt das spannende Polarmuseum. Sehenswert ist auch die Eismeerkathedrale an der Brücken-verbindung zur Insel Tromsøya. Hier befindet sich auch die Liftstation zum 420 Meter hohen Hausberg. Wir machen die Moby im alten Hafen gegenüber des neuen Rica-Hotels fest, genehmigen uns am Hafen ein Bier und beschließen, uns Tromsö in der Mitternachtsonne vom Hausberg aus anzuschauen. Ein Taxi bringt uns zur Seilstation.

Ein sehr schöner Blick auf die Stadt von hier oben. Ich mache noch einen etwas längeren Ausflug als Peter, Theo und Gunther und erfreue mich an kleinen Bergseen, Schneefeldern, sanften Hängen und den Wiesen. Um Mitternacht sitzen wir hier oben in der Gaststätte, schauen in die Mitternachtsonne. Mann, geht`s uns gut. Theo leistet sich eine Havanna und wir alle uns je 2 Bier. Um 1.00 Uhr fährt die letzte Bahn abwärts. Während Peter, Gunther und Theo ein Taxi nehmen, laufe ich über die Tromsöbrücke zurück zur Moby.

6.Tag – 09.07.2003 Tromsö-Nordlenangen

Es wird Zeit mal wieder richtig zu duschen. Die Mädchen an der Rezeption des o.g. Hotels sind zwar freundlich, erzählen uns aber, daß zur Dusche nur 5 Chipkarten vorhanden sind und die sind z.Z. alle an die Segler ausgehändigt, wir sollten warten bis eine zurückgegeben wird. Die Damen hatten wahrscheinlich noch nicht mitgekriegt, daß die Segler die Karten einfach die ganze Liegezeit behalten. Uns dämmerte das so langsam und wir klopften an einem Boot an.

Unter der Dusche war der Ärger über die lange Wartezeit vergessen. Schnell noch einen neuen Blinker gekauft, meiner ist auf dem Angelgrund in Andenes geblieben, und um 13.00 Uhr abgelegt zu unserem nächsten Ziel – Nordlenangen im Ullsfjord via Gröttsundt. Ablegen bei auflandigem Wind, ich am Ruder und so wird’s gemacht: Backbord an Pier-alle Leinen, bis auf Vorspring am Bug auf Slip, los- Bug abfendern- Ruder Backbord (zum Land)-Maschine langsam voraus- Heck dreht zum Wind- wenn Yacht im Wind, kommt Bugleine lose-Maschine zurueck, gleichzeitig Vorspring einholen- zurueck fahren bis genuegend Platz zum Quai-Maschine stop- Ruder hart steuerbord- Maschine kräftigen Schub voraus- abdrehen und mit langsamer Fahrt vom Liegeplatz entfernen. Das ist bei einem so großen Schiff wie der Moby (18m) nicht ganz ohne. Ob Peter zufrieden war ? Grau ist alle Theorie (im Handbuch Seemannschaft).

Natürlich wieder fast spiegelglatte See, hin und wieder begegnen uns Fähren, Kreuzfahrer oder Frachter. Während meines Nachmittagschlafes haben Gunther und Theo geangelt, 3 Dorsche und 5 Köhler. Das ist wie mit den Pilzen, große Begeisterung beim Suchen, aber das Putzen. Und wer ist wieder dran? Theo und Peter! Aber man kann ja den Udo nicht verhungern lassen.

Es war wieder ein feines Essen: Fischsuppe, von Gunther wieder hervorragend zubereitet, und Spagetthi mit Tomatensauce und Krabben. Und dann wieder ein Berg von Abwasch und da war ich Spezialist, denn Theo und Gunther hatten sich vorsorglich in die Hand geschnitten.

Nein, Spaß beiseite, beide konnten ihre lädierten Finger nicht ins Abwaschwasser tauchen. Peter beim Anzeigen der Größe der von uns geangelten Fische

Über den Groettsund und den Ullsfjord gelangen wir nach Nordlenangen. Der Hafenbereich von Nordlenangen präsentiert sich mehr oder weniger als Schrottplatz, in dem ungepflegten Gelände liegen verrostete Boote, Autos, Bleche herum. Kein schöner Anblick, vielleicht sind die Leute hier betriebsblind. Peter und ich besichtigen noch die 200m entfernt liegende Krabben-mehlanlage, Krabbenschalen werden getrocknet, gemahlen und in Säcke verpackt, eine ziemlich moderne Anlage. Ich gehe noch einen Kilometer den Strand entlang und finde neben anderem 4 bunte “Shellmuschelschalen”, ich wußte gar nicht, daß es das Symbol als Muschel wirklich gibt und das auch noch in den Farben rot und lila.

0.30 Uhr: Es regnet leicht, 200 m hin wird ein Kümo entladen.

7.Tag – 10.07.2003 Nordlenangen-Jökelfjord

Vor dem Ablegen in Nordlenangen gehe ich an Land und schaue mir die Gegend an. Der kleine Ort ist doch hübscher als es der Hafen vermuten läßt, die Flora ist bemerkenswert, vor allem die vielen Orchideengewächse (KnabenkrautI), welche sogar am Straßenrand wachsen. Ich mache mich auf den Rückweg, das Signalhorn der Moby ertönt und beschleunigt meinen Schritt, ein zweiter Signalton versetzt mich in Laufschritt. Peter sieht mich, macht schon die Leinen los, den Motor an und empfängt mich etwas brummig. Ich kann gerade noch so auf die Moby hechten, aber um 10 bis 10.30 Uhr war verabredet. Um 13.30 Uhr Besan und Genua gesetzt, zum ersten mal haben wir richtig ordentlichen Wind, wir machen 8 kn. Wir fahren durch den Kaegsund und den Kvaenangen zum Jökelfjord.

In den Reiseunterlagen wird der Oeksfjordgletscher am Ende des Jökelfjordes besonders hervorgehoben. Es sei der einzige in Europa verbliebene Gletscher, der ins Meer kalbt, es sei gefährlich zu nahe heranzufahren. Bilder von abbrechenden Eiskolossen mit Flutwellen stelle ich mir vor. Vor dem Jökelfjord bleibt der Wind weg und wir tuckern weiter ganz bis zum Ende des Fjordes. Hier wächst nun nicht mehr viel, die Hänge ragen steil, felsig und kahl aus dem Fjord heraus, dafür haben wir freien Blick auf den Gletscher. Die Gletscherzunge liegt ca 600m hoch, das Gletscherwasser fließt über Felskanten, durch Schneefelder, im unteren Teil nicht sichtbar unter den Schneefeldern herab. Tatsächlich sehen wir einen kleinen grollenden Abbruch, der aber nicht das Meer erreicht. Später verziehen sich die Wolken am Gletscher ganz und wir sehen die blau schimmernde Abbruchkante und das weiß leuchtende Schneefeld. Wir fahren eine Seemeile zurück, lassen uns in der Nähe einer Bachmündung treiben und angeln. Gunther nimmt wie immer die Fische vom Haken, vorher ein Schlag mit der Winschkurbel, Ausnehmen, Kopf ab, abwaschen. Ca. weitere 2 Seemeilen zurück finden wir einen Anleger, der zu einer ganz kleinen Werft gehört. Werft ist übertrieben, 2 Leute reparieren hier Kutter. Es ist ein sehr schöner Platz zum Übernachten. Zu hören sind hier nur Wasserfälle, Möwengekreische und Vogelgezwitscher, das Wasser ist sehr klar. Im Fjordausgang sind die in der Abendsonne leuchtenden Berge von Kvänangs-Finderne zu sehen. Nach einer heißen Fischsuppe gehe ich an Land steige den Hang hinauf bis zum Wasserfall. Alle Arten von Moosen, Flechten, Farne, Kräuter, wilde Orchideen, die gelbe Trollblume, roter Storchschnabel und der weisse Gletscherhahnenfuss wachsen hier im Krüppelwald. Um 22.30 Uhr empfängt mich Gunther mit den Worten: Na schon zurück? Meine häufigen Ausflüge sind aufgefallen. Anleger im Jökelfjord Vor dem Oeksfjordjökelen Frischfischversorgung Am Wasserfall Gunthers Lieblingsbeschäftigung Auf dem Weg nach Hasvik

8.Tag – 11.07.2003 Jökelfjord-Hasvik

Übernachten können wir nur in Häfen oder Anlegern mit ausreichendem Tiefgang, immerhin hat die Moby 2,40m. Meist ist das gegeben aber bei dem felsigen Untergrund ist neben dem Nachschlagen im Hafenbuch Vorsicht geboten. Ein Ankern ist durch den Verlust des Patentankers nicht möglich, denn den schweren Stockanker wollen wir nicht raus- und reinwuchten und der kleine Heckanker verhindert beim Ankern nur das Schwoien. Außerdem ist auf den Tidenhub zu achten, der bis zu 2,70 m beträgt. Also Bugleine, Achterleine und Springs nicht zu dicht holen, damit die Moby nicht im Trockenen am Pier hängt. Für die genaue Berechnung des Tidenhubs am Ankerplatz stehen uns entsprechende Tabellen zur Verfügung. Aber mit einem erfahrener Skipper klappt das.

Und noch eine Bemerkung. Bullstanderklemme am Groß lösen: erst nach vorn kippen und dann mit gehaltener Feder wieder nach hinten! Bis zur Reparatur. Peter sucht die Passage zwischen Senja und Hekkingen

Frühzeitig um 6.00 Uhr abgelegt. Wir verabschieden uns vom Oeksfjordjökelen, umrunden die Halbinsel, auf welcher die Firneisfelder des Oeksffjord-, des Svartfjell- und des Langfjord-jökelen liegen, passieren den Frakkfjord, in dessen Delta sich die Insel Silda befindet, fahren am Oeksfjord vorbei in den Stjernsund ein und gelangen nach Hasvik. Immer wieder leuchten durch die Fjorde die vergletscherten Platteaus. Nordwestlich des Frakkfjordes passieren wir die Insel Loppa. Die Insel ist der Küste etwas vorgelagert, flacher und grün, in mir entsteht der Wunsch diese Insel zu besuchen.

Hasvik ist Fährhafen für den südlichen Teil der Insel Soeroeya, hier legen Schnell- und Autofähren an. Außerdem gibt es einen kleinen Flughafen, die Flieger kommen tief über dem Hafenbecken rein. Wir machen am Kai einer Fischfabrik (oder Eishersteller ?) fest. Vor uns ein großer Container mit Eis. Aber wir haben keine andere Wahl. Auf dem Weg nach Hasvik

In Hasvik soll es Reste einer alten holländischen Walfangstation geben, eine freundliche Hasvikerin erklärt uns, daß bei Ebbe nur ein paar Holzbalken und ev. Walrippen aus dem Sand schauen. Eine Besichtigung des Ortes ergibt: nicht umwerfend, die Kirche ist sehr sauber und ordentlich, modern ausgestattet.

Man muß sicher weiter ins Land fahren, um wirklich idyllische Orte zu finden. Armut haben wir hier im Nordland nicht gesehen, die Häuser sind gut in Schuß, die Lebensmittelversorgung ist wie in Deutschland, Autos überall. Norwegen besitzt eines der besten Sozialsysteme der Welt. Auffallend ist, das im Nordland fast alle etwas flacheren Ufer besiedelt sind und auch Straßenverbindungen bestehen.

Auf Soeroeya wurden im 2. Weltkrieg alle Gebäude bis auf eine Kirche vernichtet, die Menschen überlebten in Höhlen. Festungsanlagen der Wehrmacht sind noch zu sehen. Scheiß-Krieg! Von der Kirche in die Kneipe. Wir sitzen am Freisitz eines guten Restaurants bei strahlendem Sonnenschein und 24°, trinken ein Bier und haben einen schönen Blick über den Hafen, den Sund und auf die dahinter liegenden vergletscherten Berge. Der Ober bietet uns einige von diesen Riesenkrabben - im Karton und tiefgefroren - an, die von Rußland eingewandert sind und den Meeresboden kahlfressen, der Preis bremst aber unsere Kauflust, wir verzichten.

Nach dem Abendessen an Bord gehe ich noch mal los. Ich laufe südlich des Flughafens entlang, und gelange durch Wiesen zu einer kleinen Bucht auf der gegenüberliegende Küste. Tolle Überraschung, in der Bucht haben Hasviker ihren Müll entsorgt, sogar Kühlschränke liegen hier herum. Das habe ich den Leuten nicht zugetraut, schnell wegschauen. Etwas weiter bietet sich ein wunderschönes Bild von der Küste in der Mitternachtsonne, die Sonne leuchtet goldgelb durch die Wolken. Es ist inzwischen 23.00Uhr. Der Rückweg führt mich durch Hasvik, aus einem Jugendcentrum tönt laute Popmusik. Bei Hasvik auf Soeroeay um 23.00Uhr

9.Tag – 12.07.2003 Hasvik-Hammerfest

Am Morgen gegen 5.30 Uhr weckt uns ein Fischer mit seinem schönen klinkerbeplanktem Kutter. Er will an das Kai und das vor uns liegende Eis übernehmen. Wir schnell rein in die Klamotten, Leinen los und in knapp 10 Minuten sind wir aus dem Hafen raus in Richtung Hammerfest.

Zunächst segeln wir mit Wind 3-4, Wellen 2 m aber dann schläft Rasmus das alte Rübenschwein wieder ein. Aber er bekommt trotzdem um 11.00 Uhr seinen Cherry. Es fängt an zu regnen, rein ins Ölzeug. Ein Kreuzfahrer, die Saga Pearl, eingeschrieben in Nassau, überholt uns.

Wir passieren die Inseln HJELMEN und HAJA, die wie riesige runde Steinbrocken vor Hammerfest liegen. Vor der Einfahrt in den alten Hafen im Zentrum der Stadt liegen links die Saga Pearl und rechts die Finnmark. Wir drehen eine Runde im Hafen und erhalten die Erlaubnis an der Anlegestelle der Schnellfähren zum Wassertanken anzulegen, später verholen wir zu einem 30m danebenliegenden Platz.

Die nördlichste Stadt der Welt mit 10.000 Einwohnern liegt auf 70° 39‘ 48‘‘. Bunte Holzhäuser stehen im Halbkreis um die Bucht auf dem schmalen Streifen zwischen Berg und Meer. Das Stadtbild wirkt zweckmäßig, schmucklose Nachkriegsarchitektur, da auch Hammerfest am Ende des Zweiten Weltkriegs beim Rückzug der deutschen Truppen in Schutt und Asche gelegt wurde. Im ganzjährlich eisfreien Hafen liegen Fischkutter, Frachter und Versorgungsschiffe für die Bohrinseln im Tromsöflaket. Direkt am Kai die Fischfabrik Findus – größter Arbeitgeber mit eigener Trawlerflotte. Zwei Mal am Tag legen die Schiffe der Hurtigroute an. Gleich neben einer kleinen Parkanlage beginnt in Serpentinen der “Zick-Zack-Weg” zum 80 Meter hohen Aussichtsberg „Salen“, von dem man einen sehr schönen Blick auf die Stadt und den Sund hat.

Anziehungskraft auf Touris hat der Eisbärenclub. Hier kann man Mitglied werden und erhält dafür ein Zertifikat. Zu dem erlauchten Kreis gehören der amtierende König Harald und sein Vater König Olav, auch Prinzessin Stephanie von Monaco zählt dazu. Selbst Elvis Presley wollte Mitglied im einmaligen Club werden, man muß aber persönlich erscheinen. Das Symbol des Eisbärenclubs

1890 bekam Hammerfest als erste Stadt in Norwegen elektrische Straßenbeleuchtung. Warum wird in der dunklen Zeit nicht geheiratet?. „Weil dann die Hochzeitsnacht zu lang ist“, sagen die die Einwohner. Jedes Jahr wird der Tag gefeiert, an dem die Sonne zum ersten Mal wieder über den Horizont schaut, dann haben die Kinder schulfrei. Im Sommer kommen rund 5000 Rentiere von den Samen aus Karasjok und Kautokeino in die Gemeinde. Hier haben sie ihre Sommerweiden und fressen auch die Blumen in den Parkanlagen ab. Wir haben aber keine Rentiere gesehen. Sicherlich war es den Tieren zu laut, denn an diesem Wochenende war eine große Sportveranstaltung in Hammerfest. Beachvolleyball, Laufwettbewerbe, Geher usw.

Die Moby liegt neben der kleinen Schnellfähre

Eine hübsche Norwegerin an unserem Tisch hat im Geherwettkampf einen großen Kochlöffel gewonnen. Wir schlagen ihr vor, den ihrem Mann zu schenken.

Hammerfest! Wir haben gehofft mit der Moby das 130 sm entfernte Nordkapp zu erreichen, was uns bei den Windverhältnissen immer unwahrscheinlicher wurde, nur mit Motor dorthin fahren macht auch nicht soviel Freude. Nun versuchten wir eine Fähre zu bekommen, aber seit zur Insel Magerö ein Unterseetunnel in Betrieb genommen wurde, fahren Linienbusse dorthin und die Fähren haben den Betrieb eingestellt. Die Hinfahrt mit dem Bus dauert 6 Stunden. Da unsere Zeit begrenzt ist - die Kugelmann-Crew wartet - und das Nordkapp meist in Wolken liegt und selten den Blick auf das Meer und die Sonne freigibt, beschließen wir zurückzufahren. Schade.

Aber ich glaube unsere Entscheidung war richtig, so können wir in Ruhe das Nordland genießen.

Wir gehen alle in das nahe gelegene Hotel duschen, treffen uns zu einem Bier in der Hotelgaststätte zwischen lustigen und zu Späßen aufgelegten Norwegerinnen, danach gehen Theo und Gunther einkaufen, ich schaue mir die Kioske und Beachvolleyball an.

Wie immer zieht es mich noch nicht in die Koje, ich gehe über den Zick-Zack-Weg zum Salen. Dort oben gibt es schönes Restaurant, da war richtig was los. Ein Abendkleid mit Engelsflügel dran hatte ich bisher noch nicht gesehen.

10.Tag – 13.07.2003 Hammerfest-Öksfjord

Um 9.00 Uhr in Hammerfest abgelegt. Peter übergibt ab Hammerfest die Navigation dem Udo. Da kniet er sich richtig rein, er ist kaum noch vom Kartentisch und GPS wegzukriegen. Manchmal müssen wir ihm sagen, daß er an die frische Luft kommen soll.

Peter hat gestern den Wetterfunk abgehört, es soll heute 5-6 aus SW geben. Aber zunächst haben wir keinen Wind im Vargsund. Wir laufen vorbei an einer Insel mit einer riesigen Seeschwalbenkolonnie in den kleinen Oldenfjord ein, um zu angeln. Wir lassen uns treiben, aber sehr heftige Fallböen treiben uns entweder ans Ufer oder zu weit raus. Wir geben auf und fahren wieder raus in den Sund. Der Wind frischt auf und wir setzen Genua und Besan. Auf Höhe Bekkarfjord müssen wir die Genua bergen weil der Wind zunimmt. Ich bin am Ruder und jemand ruft: anluven. Peter am Bug rudert mit den Armen und schreit abfallen, die Genua killt und knallt bedenklich. Nur mit Motor bekomme ich die Moby rum und im scheinbarem Wind ist die Genua leicht zu bergen. Also, Genua bergen bei Starkwind möglichst wenn nötig mit Motor-unterstützung scheinbaren Wind auf 0 bringen.

Die Böen peitschen das Wasser hoch. Peter und Gunther ziehen mit Hindernissen die Fock 2 hoch, sie war an der Vorstag falsch eingehangen. Auf der weiten Fläche des Altafjords, wo der Stjernsund, der Vargsund, der Langfjord und der Fjord zwischen Sternöy und Seiland zusammentreffen, bläst es richtig schön mit Spitze 7. Mit Fock 2 und Besan mit Reff 1 machen wir 9 Knoten krachrauschende Fahrt. Es ist herrlich zu sehen, wie das Schiff dahinrauscht. Mich packt das Fotofieber, mit Schwimmweste und Lifebelt taste ich mich zum Vorschiff, aber dort ist es für die Kamera zu naß und zu unruhig.

Im Stjernsund bläst uns der Wind auf die Nase, wir müssen kreuzen. Da wir nur langsam Höhe gewinnen, bergen wir die Segel und fahren mit Motor nach Öksfjord.

In Öksfjord legen wir am Kai einer Fischfabrik an. Der Fisch wird hier nur ausgenommen, geköpft, gesalzen und in Eis gepackt. Wie oft finden sich einige Schaulustige am Kai ein und fragen nach dem Schiff und dem Woher und Wohin. Peter kommt mit einem Mann namens Fritz Hansen Jahrgang 1943 ins Gespräch. Peter verspricht ihm Grüße an seinen Vater in Schiefal im Westerwald zu bestellen. Er war noch nie in Deutschland. Am Pier liegt ein Walwirbel, wäre ein schönes Andenken, aber zu schwer, zu sehr gestunken und verboten.

Vom Pier haben wir einen sehr schönen Blick auf den Öeksfjordjökelen, diesmal von der anderen Seite. Wir machen noch einen “Bierschlich” und dann gehe ich in die Koje, das Anlegen eines großen Hurtigliners direkt neben uns verpenne ich.

Klar zur Wende Krachrauschende Fahrt

Unsere Vorräte an Rum, Gin, Wodka und Weinbrand neigen sich bedenklich dem Ende zu. Notprogramm! Wir genehmigen uns als Absacker abends noch einen kleinen Schluck Möbellack (Tobinambur-Schnaps), nur Gunther hält sich als Feinschmecker zurück. Ruhige See Segelkameraden Abends im Hafen von Öksfjord

11.Tag – 14.07.2003 Öksfjord – Loppa

Nun fahren wir doch noch nach Loppa, nach der Insel ist der Verwaltungsdestrikt in der Finnmark genannt. Wir motoren durch die spiegelglatte See, vor uns tauchen Papageientaucher ab und fliegen Dreizehenmöven auf. Da die Insel nur 25 sm entfernt ist, wollen wir noch im Ullsfjord angeln. Volltreffer! Eine wunderschöne Kulisse im Fjord, Sonne und das Rauschen der Wasserfälle. Der Kurs in den Fjord führt über Richtfeuer am linken Ufer.

Wir fahren an 2 halb im Wasser liegenden Trawlerwracks vorbei bis auf 3 Kabellängen ans Ende, dort lassen wir uns treiben. Während Theo das Essen zubereitet (Hähnchenschenkel, Kartoffeln und Blumenkohl) werfen Peter und ich die Angeln aus. 2 mal die Angel anziehen und ein Fisch hängt am Haken. Unser Jagdfieber müssen wir bremsen, da wir nur das fangen sollten, was wir essen können. Innerhalb von 20 Minuten liegen 5 Dorsche und 2 Köhler an Deck, Gunther nimmt sie wieder vom Haken.

“Peter mit der Moby auf voller Fahrt”

Trotz ablaufenden Wassers treibt uns der Wind weiter ans Ende des Fjords. Um 13.00 Uhr brechen wir auf. Zunächst steuern wir den Ort mit einer Kirche und 10 Häusern an der Südseite der Insel Loppa an, aber der Hafen ist für die Moby ungeeignet. Wir fahren Richtung NO zum 1 sm entfernten Hafen in der Mevaeret-Bucht. Am Fährenanleger machen wir fest, die nächste Fähre kommt erst morgen früh um 7.00 Uhr. Theo und ich legen uns am Anleger ein paar Holzpaletten zurecht und filetieren die Fische, die Reste bekommen diesmal die Möven.

Die ersten 300m gehen Peter und ich am Strand entlang dann gehe ich allein weiter. Ich nähere mich einer Kolonnie von Küstenseeschwalben, schon vom Boot aus haben wir ihr ständiges Schreien gehört. Ich nähere mich weiter und sie greifen im Sturzflug an. Sehr aggresiv und mit einem schrillen Schrei fliegen sie 10cm über meinem Kopf hinweg, mir wird richtig mulmig. So einen gezielten Angriff habe ich noch nie erlebt. Ich sehe zwischen den Grasbüscheln am Strand kleine Bällchen ziemlich unbeeindruckt umherhuschen und ziehe mich zurück. Auch hatte ich die Befürchtung, daß die in der Nähe lauernden Möven sich in der Aufregung ein Küken schnappen.

Ich umgehe die Schwalben, etwas weiter hat das Niedrigwasser schieferähnliche Gesteinsplatten freigelegt, in den Spalten suchen Austernfischer mit ihren Küken und Bruchwasserläufer ihre Nahrung. Wieder sehe ich Seeschwalbenküken, aber plötzlich waren sie wie vom Erdboden verschluckt. Bei Warnruf der Eltern ducken sie sich und sind kaum noch zusehen. Ich konnte mit der Kamera bis auf 30 cm rangehen, ohne das sie sich gerührt haben. Vorbei an blau, rot oder grau gestrichenen Nordlandhäusern gehe ich zurück zum Boot. Das Abend brot von Theo und Gunther war wieder hervorragend, Dorsch und Köhler auf Gemüse und Kartoffeln gedünstet, zum Nachtisch bloody marry.

Nachtruhe. Soll ich wirklich diese warme und sonnige Nacht verschlafen? Am Hafen steht ein einsames Damenfahrrad. Aufgesattelt und ab geht`s über den Bergsattel zum Ort mit der Kirche. Ein ganz sauberes hübsches Dörfchen mit sehr schöner Kirche, Gaststätte mit Billardtisch, Gedenkstein für die auf See gebliebenen Fischer, urgemütlichem Dorfgemeinschaftshaus ausgestattet mit altem Fischerzeug und dem schon o.g. Hafen, die Einwohner schlafen. Das Dorf ist mit Zaun und Tor gegen Schafe abgesperrt, die mich auf dem Rückweg, es ist 24.00 Uhr, verdutzt anschauen. Ich war auf der Schattenseite der Insel, als ich über den Bergsattel komme strahlt mir die Mitternachtsonne entgegen, in deren Schein die Häuser und Wiesen sanft leuchten. Unvergeßlich die Stille, nur das Pfeifen der Wasserläufer war hin und wieder zu hören.

Loppa

12.Tag – 15.07.2003 Loppa-Arnöyhamn

Ablegen um 6.30 Uhr, langsam verschwindet die Insel im Morgendunst. Glatte See, die Sonne bricht durch, wir sitzen mit T-Shirt an Deck. Wir passieren einen Vogelfelsen, der fast weiß und mit Kormoranen übersät ist. Peter fährt auf 2 Kabellängen heran. Immer wieder sind wir verunsichert, da unser Echolot verrückt spielt, mal 160m, mal 4m. Wir vermuten Wasserschichtungen oder Fischschwärme, aber so ganz sicher sind wir uns nicht. Für alle die es nicht richtig wissen: Eine Kabellänge ist der zehnte Teil einer Seemeile, 1:100 Kabellänge=1 Faden (1,852m) und eine Seemeile ist eine Meridianminute (Bogenminute) bei Erdumfang von 40.000 km. Also 360°x60`=21600`, eine Meridianminute ist 40.000.000: 21600=1851,8m. Wir motoren in den Lauksundet zwischen Arnöya und Lököya, die westliche und flachere Seite ist rel. stark besiedelt, hohe Wasserfälle.

Im ersten Hafen, in Tareneset, teilt man uns mit, daß erst 4 km weiter Einkaufsmöglichkeit besteht, wir brauchen Gemüse für die Fischpfanne. In Fragerheim kaufen wir dann ein. Wir machen fest an einer Fischverarbeitung, ein Fischer übergibt gerade seinen Fang und der sehr freundliche junge Chef zeigt uns die Fabrik. Auch hier werden die Fische nur versandfertig gemacht (ausnehmen, Kopf ab, salzen) , eine moderne Anlage, alles VA. Die Fische gehen überwiegend nach Portugal und Kanada. Ein Fischer übergibt seinen Fang

Theo und seine Havanna im Ullsfjord

Hoch lebe unser Theo. Er hat heute seinen 55. Geburtstag und wir singen spontan ein Geburtstagsständchen am Pier.

Der Fischer winkt zum Abschied und der Chef der Fischfabrik erhält als Dank eine Büchse Bier, die wir von der Vorcrew noch in der Bilg gefunden haben. Herzliche Verabschiedung. Sumpfdotterblume Waldweg Gemeiner Igelsame Wiesenbärenklau ? Kratzdistel Steinkraut Wolfsmilch Schnittlauch Rundblättrige Glockenblume Rote Lichtnelke Wiesenblumen am 70. Breitengrad, 400 km nördlich des Polarkreises

Im Lanfjord wollen wir übernachten, wir finden aber keinen Anleger. Ans Ufer kommen wir nicht ohne Beiboot, leichte Grundberührung, aber Sandboden. In der Mitte des Fjords lassen wir uns treiben. Kaffeeduft weckt mich aus dem Schlaf. Peter hat inzwischen geangelt, dabei hat er, wie er mitteilt, eine neue Methode angewandt: Messerklinge am Heck raushalten, Fisch hält das für einen Blinker, springt hoch, zustechen, Fisch hängt am Messer. Immerhin hat er so einen Eimer voll Fische gefangen. Seinen Dreh Enten zu fangen, konnten wir nicht anwenden. So geht`s: Brot an Leine, Ente schnappt nach dem Brot und schluckt, Schnabel ist zu, in dem Moment 30er Mutter an der Leine runtersausen lassen, Mutter schiebt sich über Schnabel und Ente ist gefangen. Das ist wirklich eine verblüffend einfache und sicher auch erfolgreiche Fangmethode.

Seeschwalbenküken Austernfischer

Wir fahren zurück nach Arnöyhamn und machen wieder am Pier einer Fischverarbeitung fest. Ein “Bierschlich” bleibt ohne Erfolg, denn eine Kneipe ist nicht in Sicht. Ich mache noch einen Gang am Strand entlang, treffe wieder auf eine Seeschwalbenkolonnie, auf Fischerhütten mit schönen alten Anlegern, sehe einen Hurtigliner weit draußen im Sund vorbeziehen, schöne Abendstimmung über der See, die Wolken leuchten zartrosa.

13.Tag – 16.07.2003 Arnöyhamn-Storgamneset

Das Hupen eines Fischers weckt uns, innerhalb von 5 Minuten legen wir ab. Morgennebel liegt über der See, die Sonne kommt milchig durch. Wir passieren bei ruhiger See den Vannsundet zwischen der kleinen Insel Karlsöy im Süden und Vannöy im Norden, fahren in den Langesund zwischen Ringvassöy und Reinöy, im Süden erstreckt sich groß und breit der Ullsfjord und der Lyngenfjord. Wir beschließen eine Pause im Grunnfjord einzulegen. Der Grunnfjord bietet eine nicht so gigantische Kulisse, links am bewohnten Ufer steigt der Bergrücken bis auf 200 m auf, rechts so ca. auf 600 m. Trotzdem oder vielleicht deshalb ist es schön in diesem Fjord, der mehr einer tiefen weiten Bucht gleicht. Ich äußere den Wunsch um die Bucht zu laufen, Peter setzt mich an einem Anleger ab und fährt weiter. Verabschiedung mit Winken und Horn, Auf Wiedersehen in Deutschland.

Die Wanderung um die Bucht war eine der schönsten, die ich gemacht habe. Links und rechts der Schotterstraße stehen hübsche typische Häuser und Trockenfischgestelle, liegen bunte Wiesen, Wasserläufer und Austernfischer machen sich bemerkbar. In der Bucht liegt ruhig die Moby.

Stockfisch In der Bucht liegt ruhig die Moby Fahrrad auf Loppa Dorsche Siesta am Kartentisch Das Ablegen der Moby wird beobachtet Landgang Im Raftsund

Am Fjordende befinden sich saftige Wiesen, Möven suchen im Schlick nach Würmern, es ist Niedrigwasser. Ich gehe 2 km auf einem Waldweg den Hang hinauf, Krüppelwald, die vielen Fliegen veranlassen mich zur Umkehr. Am gegenüberliegenden Ufer angekommen, winke ich zur Moby hinüber, Peter hatte das Beiboot schon klariert und holt mich ab. Nach dem Essen und einem Sonnenbad, hole wir den kleinen Heckanker ein und fahren weiter, das Wetter wird schlechter. Der weiße Sandgrund ist jetzt nicht mehr zu sehen, die Moby ist um 2,70 m gestiegen.

Wir fahren in den Langsundet und machen in Storggamneset fest. Ein Fischkutter macht uns den Platz frei, das Fischerehepaar fährt den Kutter auf Reede. Die Frau erzählt uns, daß sie den Fischfang nur nebenbei betreiben, sie ist Bauingenieur.

Theo und ich machen uns am Pier an die Filetierung der Fische, die Peter im Langfjord geangelt hat. Die Fische haben wir mit Eis, welches wir von dem freundlichen Chef der Fischfabrik in Fragerheim erhalten haben, frischgehalten.

Beim Filetieren haben wir einen Zuschauer, ein alter Fischer, der uns freundlich aber etwas ironisch angrient. Ich halte ihm mein Messer hin und bitte ihn uns zu zeigen wie man`s macht, in 2 Minuten hatten wir 2 Fischfilets.

Fisch entlang des Rückens aufschneiden immer über den Gräten der Rückenflossen entlang, weiterschneiden über der Mittel- und den Bauchgräten, über die gesamte Länge. Andere Hälfte umdrehen und mit einem Schnitt von vorn bis hinten über den Gräten Filet rausschneiden. Dann nicht zu knapp jeweils mit einem Schnitt Bauch- und Rückenflossen entfernen. Wir hatten immer versucht, viel zu genau zuschneiden, damit nicht soviel Abfall bleibt.

14.Tag – 17.07.2003 Storgamneset-Tromsö

Bei trüben Wetter fahren wir aus dem Langsundet und Hessfjord in den Grottsund ein, von hier aus kennen wir die Route von der Hinfahrt. Es hat aufgeklart und die Berge sind in voller Höhe zu sehen. Um 11.00 Uhr kommen wir nach Tromsö und legen zum Tanken an. Eine beachtliche Menge paßt in die Tanks im Kiel, so ca. 400 Liter tanken wir nach. Wir nutzen hier gleich die Gelegenheit und spritzen das Cockpit mit Wasser aus, es muß Reinschiff gemacht werden.

Unter der Tromsöybrücke sieht man die Strudel der Gegenströmung, die jetzt ca. 3,5 Knoten beträgt. Verursacht werden diese Ströme durch die Gezeiten, z.B. beträgt die Strömungs-geschwindigkeit in der 5 km breiten Meeresstrasse Maskoesstroemmen zwischen den südlichsten Inseln der Lofoten bis zu 8 Knoten, der Malstrom kann für kleine Boote und Boote mit nicht sehr leistungsfähigem Motor sehr gefährlich werden. Noch stärker ist der Gezeitenstrom im Saltstraumen, er ist der stärste der Welt. Alle 6 Stunden zwängen sich fast 400 Mio. m3 Wasser mit einer Geschwindigkeit von bis zu 20 Knoten durch die 3 km lange und 150 m breite Meerenge zwischen Saltenfjord und Skjerstadfjord. Die Stromschnellen haben einen Durchmesser von bis zu 10 m und reichen 4-5 m in die Tiefe.

Reinschiff Erste Hilfe für Udo

Diesmal legen wir direkt am Schwimmsteg gleich neben dem Rica-Hotel an. Peter gibt Kommando zum Leinen festmachen und dann passiert es. Udo springt von der Moby auf den Steg und bricht sich das linke Bein. Die Männer aus dem neben uns liegenden Seenotrettungskreuzer, die wir vor dem Tanken bei einer Rettungsübung beobachtet haben, rufen das Krankenhaus an und Peter fährt mit Udo dorthin. Abends kommen sie, Udo mit Gips, zurück. Wie kriegen wir Udo aufs Schiff ? Er ist nicht gerade ein Leichtgewicht. Besanbullstander losgemacht, Seemannsstuhl ran, ausgeschwenkt und hochgehievt. Udo muß sich mit großen Schmerzen durch das Schiff zu seiner Koje kämpfen. Aber inzwischen ist alles wieder geheilt.

Am späten Abend fahren wir zur Eismeerkathedrale, um uns das Abendkonzert anzuhören. Stücke von Edward Grieg mit Orgel, Flügel und Saxophon. Ein schöner Klang in der Kirche. Die Eismeerkathedrale Das große Fenster an der Altarseite

15.Tag – 18.07.2003 Tromsö

Während Peter, Udo, Gunther und Theo bereits heute nach Hause fliegen, ist mein Flieger erst für morgen gebucht. Das Taxi kam pünktlich und weg waren sie, nachdem wir Udo wieder über Bord gehievt haben. Ich war von Peter mit notwendigen Instruktionen zur Übergabe versorgt worden. Ich nutze die Zeit und besuche das Polarmuseum.

Das Museum liegt ganz rechts hinter dem Schiff

Der Besuch des Museums ist sehr zu empfehlen. Es befindet sich im alten Zollhaus (erbaut um 1830). Es liegt in reizvoller Umgebung im “alten Tromsö” am Hafen nahe des alten Kais, den Packhäusern und den alten Holzhäusern von Skansen. Gezeigt werden Ausstellungen zur Polargeschichte, Eismeerfang und Expeditionen. Ein Großteil ist den Polarhelden Fridtjof Nansen und Roald Amundsen gewidmet.

Fridtjof Nansen überquerte mit Johan Sverdrup 1888 als erster die Eismassen Grönlands und drang so weit zum Nordpol vor, wie es vor ihm noch kein anderer Mensch geschafft hatte. Für seine Expedition an den Pol ließ er sich 1893 mit dem Spezialschiff Fram vom Packeis einfrieren und mit der Strömung nach Norden treiben. Die Fram trieb allerdings soweit südlich am Ziel vorbei, daß Nansen mit einigen Leuten und drei Schlittenhunden auf Ski zum Nordpol aufbrach.

Auf 86° mussten sie die Eroberung des Nordpols aufgeben. Nansen ist Friedensnobel- preisträger.

Nachdem der Nordpol 1909 von dem Amerikaner Peary erreicht wurde, blieb für die Norweger nur noch der Südpol. Roald Amundsen segelte mit der Fram südwärts. Es war ein Wettlauf mit der Zeit, da bereits der Engländer Scott mit gleichem Ziel aufgebrochen war. Nach der Überwinterung im Rosspackeis kämpfte sich Amundsen mit seinen Begleitern zwei Monate durch das Eis vor.

Die Moby am Schwimmsteg, im Hintergrund die Tromsöbrücke

Am 14. Dezember 1911 hisste Amundsen die norwegische Flagge am Südpol. Er sorgte in den nächsten zwanzig Jahren vielfach für Schlagzeilen, beispielsweise als er versuchte, mit Flugzeugen, die Pole zu überqueren. 1925 war es der Südpol, 1926 gelang ihm der Flug im Luftschiff »Norge« über den Nordpol. Im Juni 1928 blieb Amundsen auf der Suche nach seinem vermissten italienischen Freund und Konstrukteur Nobile in der Arktis verschollen.

Die Nordkapp legt zur Weiterfahrt nach Hammerfest ab Roald Amundsen, der Mann mit der Hakennase Fridtjof Nansen

Erwähnenswert ist noch das Kriegsmuseum in einem alten deutschen Marinestützpunkt, in dem u.a. der Untergang der “Tirpitz” dargestellt wird. Nach dem Polarmuseum vertrödele ich ein wenig die Zeit, ich setze mich auf den Martplatz und schaue dem bunten Treiben zu.

Trömsö wird von der Hurtiglinie sowieso und von fast allen Kreuzfahrern die zum Nordkapp wollen, angelaufen, auch Reisebusse machen am Rica-Hotel Station. Dann ergießt sich eine Welle von Touris in die Stadt und das ist immer die große Stunde der Pullover- und An-denkenverkäufer. Der Nachmittagshurtigliner legt um 18.00 Uhr wieder ab, also schnappe ich mir meine Kamera, gehe auf`s Schiff an der Rezeption vorbei und mache einen ausführlichen Rundgang. Nicht schlecht der Komfort, die Bar, die bequemen Sitzgruppen überall, aber ich ziehe mir die Moby vor.

Ganz in der Nähe der Fähre in entgegengesetzter Richtung zum Rica-Hotel habe ich übrigens eine Gaststätte endeckt, die entgegen zu anderen rappelvoll ist. Den Namen habe ich nicht, man hat am Tresen kaum einen Stehplatz bekommen.

Ich gehe zur Moby, mache noch etwas Klarschiff und warte auf die Kugelmann-Crew, die um 21.30 Uhr eintrifft.

Warten auf die Kugelmann-Crew

16.Tag – 19.07.2003 Tromsö-Leipzig

Mein Flieger startet 9.30 Uhr. Diesmal habe ich einen noch besseren Blick auf Fjorde, Sunde, vergletscherte Berge und Bergseen, z.T. kann ich die von uns gefahrene Route südlich von Tromsö erkennen. Andenes liegt ganz weit draußen.

In Oslo habe ich 4 Stunden Zeit. Ich fahre mit der sehr modernen, leisen Schnellverbindung zum Hauptbahnhof ins Zentrum. Zunächst wende ich mich – wohin wohl – zum Hafen. Im Park liegen Fixer herum, ganz junge Mädchen total abwesend. Sehr traurig!

Ich kehre aber bald um und laufe die Hauptmeile rauf und runter, an einem Freisitz setze ich meine letzten Kronen in Bier um. Es ist warm, die Sonne scheint, ein munteres Treiben hier mit Straßenmusikanten und allen möglichen Schaustellern wie in so vielen Städten.

Peter Seidel

November 2003

Danke, Peter, für das Korrekturlesen!

berichte/2003/nordlandtoern.txt · Zuletzt geändert: 26.03.2012 16:49 Uhr von Thomas Wetterer